Wie erhob sich Louis XVI morgens aus dem Bett?

Mit dem Ausruf: »Sire, voilà l‘heure!«, wurde der König morgens geweckt bzw. dann musste er zurück in seinem Bett sein, denn Louis XVI schlief nachts bei Marie Antoinette.


Das morgendliche Aufstehen (le petit lever) folgte einem strengen Protokoll. Zunächst wurde der königliche Leibarzt vorgelassen, der sich nach dem Befinden des Königs erkundigte und die Hinterlassenschaften der Nacht inspizierte. Natürlich wurde alles genau protokolliert.


War nichts Auffälliges und der König wohlauf, durften die Höflinge ihrem Rang nach dem König ihre Aufwartung machen.

Es marschierten auf: Seine Kinder, seine Frau, Geschwister, dann der Großkammerherr, der erste Kammerherr des königlichen Schlafgemachs, der Großmeister der Garderobe und so weiter. Nach und nach betraten an die Hundert Höflinge das königliche Schlafgemach.


Waren alle Höflinge ihres Ranges entsprechend gewürdigt, wurde der König umgezogen. Auch hier in einer bestimmten Reihenfolge. Wer dem König das Hemd reichen durfte, stand in der Gunst meist höher, als derjenige, der ihm die Schuhe reichen durfte. Der Entzug eines kleinsten Privilegs beim Lévér konnte für die Höflinge einem tiefen Fall bei Hofe gleich kommen. 


Eingezwängt in dieses Korsett des höfischen Protokolls, musste sich der König genau überlegen, wem er welche Aufgabe beim Lévér übertrug, um Missgunst und Neid zu vermeiden.


Allerdings sah Marie Antoinette das Protokoll nicht ganz so streng. Die hielt davon gar nichts. Wie sie das Protokoll missachtete und es so schaffte, den Adel gegen sich aufzubringen, ist Stoff für andere Beiträge. 

P.s. Das Hauptbild zu diesem Artikel zeigt das offizielle königliche Schlafgemach in Versailles.