Der Frost zieht durch die Flure

Im Schlafzimmer des Königs (92 m²) gibt es nur einen (!!!) Kamin. Ihr könnt euch vorstellen, dass es in dem Zimmer nicht wirklich warm wurde. 

Das ganze Schloss zu heizen war unmöglich. Die meisten Säle waren und sind direkt miteinander verbunden, so dass immer irgendwo der Wind durchpfiff. 

Am wärmsten war es noch direkt vor den Kaminen, bei denen aber ständig die Gefahr bestand, dass anhaltender Schneefall das Feuer löschte. Ansonsten wurden mit heißen Kohlen gefüllte Kohlenbecken aufgestellt (juhu Brandgefahr) oder die Höflinge schleppten kleine mit Kohle gefüllte Eisenbehälter mit sich. Sie dienten dazu, die Füße oder Hände zu wärmen. 

Um die Wärme im Schloss zu halten, wurden viele Fenster mit Pech abgedichtet, so dass kaum frische Luft in die Zimmer drang. So roch es im ganzen Schloss nach Rauch und überall auf den Möbeln setzte sich Ruß ab. 

 

1709 – ich weiß, das ist weit vor der Zeit der Französischen Revolution, aber die Anekdoten über diesen Winter sind eine Erwähnung wert. 

Also 1709 befand sich Versailles im Würgegriff eines sehr kalten Winters. Die Temperaturen sanken auf -17° bis -30°. Selbst im Mai 1709 lag noch Schnee. 

Das allmorgendliche Klatschthema waren die Toten, die in ihren Betten über Nacht erfroren waren. Im Schloss war es so kalt, dass der Wein in den Flaschen und die Tinte an den Spitzen der Gänsekiele gefror. Louis XIV ging in dieser kalten Zeiten nicht mehr mit seinem Hofstaat zur Jagd, was natürlich Auswirkungen auf das Essen hatte. Wild gab es nicht mehr. 

Um sich ein warmes Plätzchen zu schaffen, wurden die Höflinge erfinderisch. Der Arzt Charles Delorme schlief in einem gemauerten Steinofen, ausgelegt mit Fellen. Zudem trug er mehrere Mützen (man munkelt 8) und mit Schaffell gefütterte Stiefel. 

 

So ein Winter kann in einem großen Schloss eine echte Zumutung sein. Da bin ich doch froh um meine moderne Heizung.