Die Schatten der Bastille

Jeder kennt die Geschichten über den Mann mit der Maske und über die Grausamkeiten, die in der Bastille geschehen sind. 

 

Auf der Suche nach Waffen und Schießpulver erstürmten die aufständischen Revolutionäre am 14.07.1789 dieses Bollwerk königlicher Macht und befreiten die inhaftierten Gefangenen. Doch fanden sie nicht mehr als 7 Gefangene, von denen sich kaum einer als Opfer königlicher Willkür eignete: 

Urkundenfälscher, Geisteskranke und der Graf Hubert de Solages (saß ein wegen sexueller Vergehen). 

 

Warum nur so wenige Gefangene in dieser extra dafür ausgelegten Festung? 

Ludwig XVI wusste um den schlechten Ruf von Bastille und versuchte, die Skandalgeschichten zu entkräften, um Märtyrer zu vermeiden. Nach und nach ließ er das Gefängnis zu einer modernen und fast schon humanen Strafanstalt ausbauen. Allerdings eher für die Aristokratie, nicht für kleinkriminelle Diebe. 

 

Die Gefangenen wurden auf Staatskosten eingekleidet, hatten Besuchs- und Schreiberlaubnis. Tägliche Spaziergänge im Gefängnishof und der Austausch mit anderen Gefangenen war erlaubt. Eine Unterbringung der Gefangenen in den Kellerverliesen (cachots) war ab 1776 verboten. 

 

Adlige Gefangene wie der Marquis de Sade wurden in einer der Zellen in den Rundtürmen eingesperrt, die extra für die hochherrschaftlichen Gefangenen tapeziert worden waren. Auch durfte der Marquis täglich seine Frau empfangen, seinen Diener mitnehmen und seinen Rotwein in einer der ehemaligen Folterkammern einlagern. 

 

Der letzte Gouverneur – Bernard Jourdan de Launay, der 1776 ernannt wurde und die Festung führte, lebte in einer Wohnung in einem der Innenhöfe. 

Ihm standen der Leutnant des Königs (der die Geheimhaltungsregel durchsetzte) ​​und der Major (der sich um die Schatzkammer und die Archive kümmerte) zur Seite. Die Schlüsselwärter »porte-clefs« stehen in direktem Kontakt mit den Gefangenen (für Mahlzeiten und Spaziergänge). 

Der Wärter für die Türen »capitaine des portes« kümmerten sich um die Ein- und Ausgänge des Gefängnisses. 

Soldaten, die sogenannten »Invaliden«, übernahmen die Bewachung der Festung. 

Zur medizinischen Betreuung standen Ärzte und Apotheker bereit. Für das geistliche Wohl sorgte ein Kaplan und ein Beichtvater. 

 

Trotz der Bemühungen des Königs, den Mythos der Bastille zu entkräften, gelang ihm das leider nicht. Die Erstürmung dieses Machtsymbols des Ancien Régime am 14. Juli 1789 war daher der Beginn des Untergangs des alten Regimes.